Leitbild

Kinder

Der Waldkindergarten fördert eine individuelle, ganzheitliche (Körper, Geist und Seele) und natürliche Entwicklung des Kindes, das als ein mit Mensch und Natur empathisches Wesen heranwächst. Die Kinder sind fähig, alle ihre Sinne einzusetzen und erleben sich selbst, Pflanzen, Tiere und Menschen nicht losgelöst
voneinander, sondern als Teil der Natur. Sie erfahren, dass sie von der Natur sowohl abhängig, als auch in der Lage sind, diese zu beeinflussen. Die Kinder leben im Einklang mit der Natur und erfahren diese hautnah, z.B. durch das Beobachten von Pflanzen und Tieren und das Erleben der Jahreszeiten.
Bereits durch den Aufenthalt in der Natur selbst und die überwiegend spielzeugfreie Umgebung ergibt sich ein fantasievolles, zweckfreies Spiel mit Naturmaterialien. Die Kinder entwickeln viel Kreativität, z.B. durch die Fähigkeit, dem Unbekannten zu begegnen, in der sich Fantasie, Logik, Vorstellungskraft und folgerichtiges Denken verbinden. Sie lernen, sich selbst einzuschätzen, z.B. durch das Erfahren unterschiedlicher Temperaturen und der damit verbundenen Körperreaktion (warm: schwitzen / kalt: frieren), oder unterschiedliche Bewegungsarten im unebenen Gelände (Laufen, Klettern, Springen) und bilden so die Grundlage für ein gutes Selbstvertrauen. Die Kinder stärken ihre Eigenverantwortlichkeit, z.B. in dem sie ihren Rucksack selbst durch den Wald tragen, ihre Dinge am Platz wieder einsammeln, und lernen, keine Spuren in der Natur zu hinterlassen. Des Weiteren entwickeln die Kinder Achtsamkeit und eine sensible Wahrnehmung.
Sie fördern ihre Kommunikation in einem gegenseitigen Miteinander und Achtgeben, z.B. weil sie durch die spielzeugfreie Umgebung erklären müssen, ob der Ast im Spiel ein Gefährt, ein Tier oder ein Werkzeug darstellt. Der Kreis stellt ein wichtiges Element des menschlichen Miteinanders im Kindergartenalltag dar. Er symbolisiert den respektvollen, gleichwürdigen Umgang miteinander und wird in verschiedene Aktionen integriert, z.B. als Morgenkreis.

Erzieher

Die Erzieher folgen dem Coyote Teaching Ansatz und übernehmen im Waldkindergarten die Rolle eines
Begleiters, Lehrers und Mentors. Sie unterstützen die Kinder, ihre Umgebung mit allen Sinnen zu erfahren und Zusammenhänge und die Welt zu verstehen, aber verzichten darauf, Vorgefertigtes durch Erklärungen zu vermitteln.
Die Erzieher leben den Kindern Authentizität, Integrität und Offenheit vor. Sie bewerten die Kinder nicht, sondern beobachten. Sie lenken, aber sind sich der Individualität jedes Kindes stets bewusst. Die Erzieher geben keine Antworten vor, sondern wecken die Neugier der Kinder und helfen ihnen, Antworten selbst zu finden. Sie befähigen die Kinder, Dinge zu tun und auszuprobieren, an sich selbst zu glauben und sich selbst (positiv) wahrzunehmen. Die Erzieher unterstützen die Kinder dabei, ihre eigenen Stärken und ihre Individualität zu erkennen und eine starke, selbstbewusste, achtsame und liebevolle Persönlichkeit zu entwickeln. Sie helfen den Kindern so, sich durch Selbstständigkeit und praktisches Tun auf das reale Leben vorzubereiten.

Wald

Der Platz im Wald ist nicht nur der Ort, an dem sich Kinder und Erzieher aufhalten. Er ist auch Lehrer, Freund und fungiert als weiterer Erzieher. Der Wald bietet grundsätzlich alles, was wir (Menschen) brauchen:
Spielmaterial, Nahrung, Schutz etc. Er ist nicht nur Lebensraum für den Menschen, sondern wird mit Tieren und Pflanzen geteilt. Er verändert sich täglich und birgt Gefahren, z.B. einen Ast, über den man stolpern kann oder giftige Pflanzen. Dennoch ist der Wald empfindlich: Ist man laut oder unachtsam, vertreibt man vielleicht Tiere oder zerstört Pflanzen. Nicht zuletzt übernimmt der Wald auch eine heilende Wirkung, ganz konkret durch heilende Pflanzen und Kräuter, aber auch abstrakt durch seine besondere Atmosphäre.
Der Waldkindergarten integriert sich so in das UNESCO-Weltaktionsprogramm „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE), die Menschen dazu befähigen soll, zukunftsfähig zu denken und verantwortungsvoll zu handeln. Jedem einzelnen wird so ermöglicht, die Auswirkungen seines Handelns auf die Welt zu verstehen und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen.